Das Floß der Medusa – Franzobel

18. Juli 1816: Vor der Westküste von Afrika entdeckt der Kapitän der Argus ein etwa zwanzig Meter langes Floß. Was er darauf sieht, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren: hohle Augen, ausgedörrte Lippen, Haare, starr vor Salz, verbrannte Haut voller Wunden und Blasen … Die ausgemergelten, nackten Gestalten sind die letzten 15 von ursprünglich 147 Menschen, die nach dem Untergang der Fregatte Medusa zwei Wochen auf offener See überlebt haben. Da es in den Rettungsbooten zu wenige Plätze gab, wurden sie einfach ausgesetzt. Diese historisch belegte Geschichte bildet die Folie für Franzobels epochalen Roman, der in den Kern des Menschlichen zielt. Wie hoch ist der Preis des Überlebens? (Klappentext)

 

Meine Meinung

Das Buch hat sich bei mir durch Instagram und den Besuchen in Buchläden stark ins Gedächtnis gebrannt, bis ich es dann letztendlich auch mitgenommen habe. Am faszinierendsten finde ich, dass es die Medusa und das Unglück im 19. Jahrhundert tatsächlich gegeben hat, was für mich auch den Hauptreiz beim Lesen ausgemacht hat.

Als Leser weiß man schon von Anfang an, wie die Reise auf der Medusa endet, will aber unbedingt wissen wie es dazu kommt. Es werden dann eine Reihe von Charakteren vorgestellt, die im Laufe der Geschichte eine Rolle spielen. So haben wir ein breites Spektrum an Persönlichkeiten von einem eingebildeten inkompetenten Kapitän bis hin zu Viktor, der eher durch einen Zufall auf der Suche nach Abenteuer auf dem Schiff gelandet ist. Beim Lesen hat es zumindest bei mir seine Zeit gedauert, bis man alle Namen mit ein paar charakterlichen Informationen immer parat hatte. Gerade weil es doch sehr viele französische Namen sind kommt man am Anfang noch etwas durcheinander, das wird aber mit der Zeit immer leichter. Auch durch die Kommentare oder Spitznamen, die der Autor einigen Figuren gibt steigt deren Wiedererkennungswert, was mir beim erinnern geholfen hat. Das Leben an Bord der Medusa ist alles andere als einfach und sehr extrem, vor allem Viktor hatte mein vollstes Mitgefühl. Einige Szenen und Figuren kamen mir persönlich auch etwas zu übertrieben vor. Ich bin mir sicher, dass das Leben in der damaligen Zeit alles andere als leicht war und auf einem Schiff ein unbedeutender Kombüsenjunge nichts zu sagen hatte, trotzdem waren für mich einige Stellen einfach zu extrem. Vor allem hängen geblieben ist bei mir die „Taufe“ als normale Passagiere vom verkleideten Schiffspersonal im Rahmen eines Schauspiels schikaniert wurden. Dabei habe ich mich gefragt, inwiefern diese Szene für den Verlauf der Geschichte wirklich wichtig ist?
Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wobei keine Figur so richtig sympathisch wird. Alle haben oft mehr als eine charakterliche Schwäche, die dafür sorgt, dass man den zusammengewürfelten Haufen eher misstrauisch beäugt. Die Spannung der Erzählung fand ich etwas unstet, vor allem ab dem Zeitpunkt, wo das Schiff auf die Sandbank aufgelaufen ist, spaltet sich die zu Beginn 400 Mann starke Besatzung in verschiedene Lager auf.
Franzobels Humor ist dabei etwas eigen und daher auch nicht unbedingt jedermanns Sache. Ich für meinen Teil fand, dass er der Geschichte etwas modernes gegeben hat und auch dazu dient das Grauen besser verarbeiten zu können. Der Sarkasmus nimmt auch ab der Hälfte des Buches, wenn dann „das Grauen“ beginnt auch ab. Auch den Schluss finde ich wirklich gelungen, und obwohl man zu Beginn schon einiges vom Ende erfährt, hält er noch eine Überraschung bereit.

 

Fazit

Alles in allem muss ich sagen, dass ich irgendwie hin und her gerissen bin. Einerseits fand ich die Geschichte sehr faszinierend, sich vorzustellen, dass das alles wirklich so passiert ist. Erschreckend wozu Menschen fähig sind. Und mir hat der Humor auch bis zum Schluss gut gefallen. Allerdings fand ich es an der ein oder anderen Stelle etwas zu übertrieben, zu dick aufgetragen. Trotzdem muss ich sagen, dass „Das Floß der Medusa“ absolut lesenswert ist, es gibt sicherlich Leser, die damit nichts anfangen können und der Humor ist mit Vorsicht zu genießen. Aber letztendlich einfach ein wirklich interessantes Buch. Nach meiner Eigenrecherche habe ich auch festgestellt, dass der Autor wirklich nah bei den historischen Fakten geblieben ist und vieles genauso passiert ist.

4-sterne

 

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