John Green – Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken

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Die 16-jährige Aza Holmes hatte ganz sicher nicht vor, sich an der Suche nach dem verschwundenen Milliardär Russell Pickett zu beteiligen. Sie hat genug mit ihren eigenen Sorgen und Ängsten zu kämpfen, die ihre Gedankenwelt zwanghaft beherrschen. Doch als eine Hunderttausend-Dollar-Belohnung auf dem Spiel steht und ihre furchtlose beste Freundin Daisy es kaum erwarten kann, das Geheimnis um Pickett aufzuklären, macht Aza mit. Sie versucht Mut zu beweisen und überwindet durch Daisy nicht nur kleine Hindernisse, sondern auch große Gegensätze, die sie von anderen Menschen trennen. Für Aza wird es ein großes Abenteuer und eine Reise ins Zentrum ihrer Gedankenspirale, der sie zu entkommen versucht (Quelle: Hanser).

Meine Meinung

Ich habe mich schon sehr auf das neue Buch von John Green gefreut und hatte es schon vor Monaten vorbestellt und konnte es kaum erwarten es zu lesen. Um schon mal vieles vorweg zu nehmen, ich war enttäuscht.
Aber nun erst mal zum Inhalt. Russell Pickett, ein Milliadär, ist spurlos verschwunden. Keiner weiß  was mit ihm passiert ist. Ob er untergetaucht ist und vielleicht sogar abgemurkst wurde. Aza ist dies auch ziemlich egal. Erst als eine hohe Belohnung winkt, lässt sie sich von ihrer besten Freundin überreden, dem ganzen auf die Spur zu gehen. Und Aza kommt dabei nicht drum herum wieder auf Davis zu treffen, der älteste Sohn des Milliardärs. Sie waren früher mal so etwas wie Freunde, haben sich aber mit der Zeit aus den Augen verloren. Zunächst ist Aza Davis gegenüber sehr zurückhaltend, denn eigentlich will sie ja die Belohnung, aber mit der Zeit keimt wieder so etwas wie Freundschaft zwischen ihnen auf.
Das einzige was dem Ganzen im Weg steht, sind Azas krankhafte Zwangsstörungen und ihre Ängste, in die sie sich immer wieder hineinsteigert bis sie kaum noch die Möglichkeit hat aus diesen Strudel zu entkommen.

Tatsächlich tat ich mich zu anfangs schon etwas schwer mit der Geschichte. Irgendwie brauchte ich etwas länger, um mit der Handlung und vor allem mit Aza vertraut zu werden.
Man bekommt zwar von Anfang an den kompletten Eindruck und Ausmaße ihrer Störung zu spüren, aber ich wusste nicht wirklich was ich nun damit anfangen sollte. (Notiz am Rande. Azas Tick mit der Fingerkuppe bereitete mir jedes mal einen kalten Schauer, ich hatte nämlich mal mit einem Kind zusammengearbeitet, das sowas ähnliches hatte und deshalb hatte ich das immer bildlich vor mir).

Die Thematik über diese Zwangsstörung bis hin zu ihren teilweise Depressiven Gedanken, fand ich ja noch ganz interessant und aus psychologischer Perspektive wollte man schnell wissen, welche Hintergründe dahinter stecken. Aber trotz dieser Krankheit, fand ich Aza unausstehlich. Sie hatte eine Art an sich, die mich von Anfang an nervte. Klar war sie anders, aber dennoch hat ihr Charakter nicht den Tiefgang, um das Problem gut zu veranschaulichen oder das man sich zumindest teilweise in sie hineinversetzen kann. Sie wirkte stellenweise nicht mal depressiv, sondern einfach so komplett Ich bezogen und die Welt an sich interessierte sie nicht wirklich. Klar liegt dies teilweise wiederum an den Störungen, aber so wie es dargestellt wurde, fand ich manchmal nicht ganz nachvollziehbar. Da fand ich Daisy als ihre beste Freundin viel ansprechender.

Als sie dann auf Davis stößt, entwickelte sich das Ganze zu einem typischen Jugendroman. Was jetzt nicht schlecht ist, aber man hat dann eben dieses typische Hin und Her der Protagonisten.
Man merkt hierbei das Aza gerne aus sich herauskommen möchte, aber es nicht schafft und sie deshalb Davis mehrmals zurückstößt.
Alles schön und gut, aber irgendwie ging das wahrscheinlich eigentliche Thema unter. Klar die Zwangsstörungen waren noch präsent, aber rückten mehr und mehr in den Hintergrund. Es steht nur noch Davis im groben und Ganzen im Vordergrund und alles was um ihn wichtig ist. Sein Problem das er nicht weiß was mit seinem Vater ist und er sich um seinen kleinen Bruder kümmern muss und dieser ihm mehr und mehr entgleitet.
Aber das wahrscheinlich wichtigste Problem in der Sache, war der „Tuatara“. Fand ich anfangs noch ganz interessant und auch welche Rolle dieser spielt, aber teilweise wurde es so oft thematisiert, dass alles andere wieder unterging. Klar spielte es irgendwo eine Rolle, aber schlussendlich war es doch auch unnötig.

Wer bis dahin noch meine Meinung liest, merkt schnell, dass ich kaum ein gutes Haar lasse, aber mich störte einfach, dass es eine so belanglose Handlung war, die sich selbst verliert und man zu Anfang ein durchaus interessantes und ernstes Rahmenthema geboten bekommen hätte.
Versteht mich nicht falsch, es wurde stellenweise gut thematisiert (auch in der Danksagung, was tatsächlich nochmal zum Nachdenken anregt), aber es gab viel mehr Potential dem Thema mehr Tiefe zu bieten. Es gab etliche Situationen in denen man durchaus einen Einblick bekommt, wieso Aza so ist wie sie ist. Aber das wurde in wenigen Sätzen angesprochen und einfach wieder fallen gelassen.
Auch wurden Gespräche mit der Psychologin dazwischen gezogen und auch die haben teilweise an Ernsthaftigkeit verloren.

Fazit

Das Problem lag einfach daran, dass zu viele Sachen in die Geschichte hineingezogen wurden und deshalb für jede einzelnen Handlungen auf den nur 280 Seiten nicht wirklich Platz war.
Man wollte ein durch aus ernstes wichtiges Thema ansprechen, was zu Anfang noch gelungen ist, aber sich  im Laufe der Geschichte verlor.
Klar kann man jetzt sagen, dass ich das Buch in manchen Punkten etwas zerlegt habe, aber ich kann die teilweisen guten Kritiken nicht ganz nachvollziehen und wollte meine Meinung nun wirklich detailiert dalegen.
Es ist mir bewusst, dass es manchmal schwer ist solchen Thema die passende Bühne zu bieten und dass es zeitgleich ein Jugendbuch bleibt und dennoch den Ernst nicht verliert. Aber mit der Zeit gibt es duzende Bücher, die diesen Spagat wirklich besser geschafft haben.
John Green ist durchaus ein guter Autor, was er in „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ mehr als unter Beweis stellte.
Er hat einen Schreibstil in der er manche Sachen irgendwie auf eine poetische Art und Weise darlegen kann. Denn auch in diesem Buch, nimmt man Bezug auf die verschiedensten Zitaten von verschiedenen Schriftstellern und auch Davis hält seine Gedanken in einer wirklich schönen und hier doch tiefgründigen Art und Weise fest. Doch leider war das für den Rest der Geschichte einfach nicht ausreichend.

Für mich leider eine Enttäuschung. Viel Potential wurde einfach verschenkt.

2-sterne

 

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2 Gedanken zu “John Green – Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken

    1. Hallo Liebe Zeilenliebe,
      Vielen Dank für deinen Kommentar. Freut mich dass ich dir mit der Rezension weiterhelfen konnte. Ich meine klar sind auch in Sachen Büchern die Meinungen/ Geschmäcker verschieden und auch ist mal ein Hype gerechtfertigt. Aber eben auch nicht immer (zumindest für mich). Es ist denke ich wichtig einfach das ganze immer sachlich zu sehen und sich nicht mitreißen zu lassen. Ich mag es auch lieber wenn jemand ein Buch kritischer beäugt als alles nur schön zu reden.
      Liebe Grüße
      Nadine

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