Der Mann, der mit Schlangen sprach – Andrus Kivirähk

Lemeet und die Waldbewohner leben in einer fantastischen Welt, in der Frösche fliegen können, Läuse so groß sind, dass man auf ihnen reiten kann, und Bären eine Vorliebe dafür haben, Frauen zu verführen. Doch ihr zauberhafter Lebensraum ist bedroht: Die Menschen des Dorfes, die der Magie entsagt haben und stattdessen religiös geworden sind, dringen immer tiefer in den Wald ein. Um Lemeets Welt zu retten, müsste der Nordlanddrache, eine Gottheit für Wohlstand und Schutz, wiedererweckt werden – von einer ganzen Schar von Waldbewohnern, die die Schlangensprache sprechen. Und Leemet ist der Letzte, der diese Sprache beherrscht. (Klett-Cotta Verlag)

 

Meine Meinung

Andrus Kivirähk ist einer der international bekanntesten Autoren Estlands. Die Geschichte mit ihren phantastischen Elementen erweckt deshalb anfangs den Eindruck eines estnischen Volksmärchens. Lemeet ist dabei Teil einer estnischen Gemeinde mit all den urprünglichen Traditionen Estlands, die immer mehr unter den Einfluss von Kreuzrittern und katholischer Kirche gerät.
Etwa bis zur Hälfte hatte ich einen sehr märchenhaften Eindruck durch Erzählungen vom „Nordlanddrachen“, der in früheren Zeiten Seite an Seite mit Esten gekämpft und deren Feinde verschlungen hat. Irgendwann schlägt die Stimmung im Buch jedoch um, als Leser erhält man bereits zuvor durch Kommentare von Lemeet (als Erzähler) eine vage Vorahnung darauf. Die Geschichte wird ernster und nach dem anfänglichen Märchen wird man mit der Realität  konfrontiert.

Die Vergangenheit erschien nur als fernes Märchen – ein Märchen, das traurig oder lustig sein mochte, das aber keinerlei Verbindung mit dem Hier und Jetzt hatte.“ (S. 447)

Andrus Kivirähk hat eine wunderbare Art und Weise die Geschichte zu erzählen, was mir unglaublich gut gefallen hat, auch wenn oder gerade weil nicht alles „Friede-Freude-Eierkuchen“ ist. Was dem Buch auch von Anfang an Humor verliehen hat, waren die kleinen Details in der Geschichte, wie den liebeskranken Bären, die jungen schönen Mädchen nachstellen. Eine meiner Lieblingsfiguren ist aber Ints – eine Schlange, die Lemeet bei einigen seiner Abenteuer begleitet. Das Buch hat dabei viele ganz verschiedene Figuren, die eine große Rolle für die Erzählung spielen, und gerade diese Vielfalt verleiht dem Buch viel Abwechslung und Spannung.
Aufgrund der verschiedenen Charaktere kommt es auch zu einigen Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen, sodass Andrus Kivirähk zeigt, wie gut er gesellschaftskritische Themen in diesen Dialogen und Auseinandersetzungen einbauen kann. Man könnte nun meinen dies spielt in einer anderen Zeit, aber vieles hat auch für unsere Zeit Relevanz.

 

 

Fazit

Lemeet erzählt in diesem Buch von seinem Leben, das vom Umbruch Estlands von der alten in die neue Welt handelt. Das Buch glänzt dabei aber nicht nur als Fantasy-Geschichte, sondern regt auch zum Nachdenken an. Das Buch ist auf gewisse Weise etwas besonderes und Andrus Kivirähks wundervoller Schreibstil, machen das Buch zu einem einmaligen Leseerlebnis.

4-5-sterne

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar von Klett-Cotta zur Verfügung gestellt. Deshalb dem Verlag noch ein herzliches Dankeschön dafür.

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2 Gedanken zu “Der Mann, der mit Schlangen sprach – Andrus Kivirähk

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